Präparate in der biodynamischen Landwirtschaft

Homöopathie für Boden und Pflanzen

Die Präparate sind eine Besonderheit der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise. Für einen Außenstehenden mag die Präparatepraxis zunächst etwas ungewöhnlich erscheinen, sie ist aber fester Bestandteil des Demeter-Alltags und ohne sie gibt es keine Demeter-Zertifizierung.

Die Präparate werden aus Heilpflanzen, Mineralien und Kuhmist gewonnen und wirken wie homöopathische Heilmittel feinstofflich und energetisch auf Boden und Pflanzen.
Sie werden unterteilt in Spritz- und Kompostpräparate, die unterschiedlich aufbereitet und nach einer Reifezeit verwendet werden.

Ziel der Präparate

Die einzelnen Präparate übernehmen ganz bestimmte Aufgaben der Harmonisierung, die eine gesunde Entwicklung von Pflanzen und Böden fördert. Sie sorgen für Ausgleich – wo etwas zu viel ist, wird es weniger, wo etwas zu schwach ist, wird es stärker.
Die Präparate bringen keine Nährstoffe in den Boden oder eine Schutzschicht auf die Pflanzen, die mengenmäßig zu benennen wäre. Vielmehr geht es für Pflanzen und Boden um Hilfe zur Selbsthilfe.

Der Einsatz der Präparate hat sich seit Beginn der biodynamischen Landwirtschaft etabliert und basiert auf einer umfassenden Theorie ihres Begründers Rudolf Steiner. Während ihrer Reifezeit – zumeist in einer tierischen Umhüllung – nehmen sie kosmische Kräfte und Wirkung auf und entfalten ihre volle energetische Kraft.

Herstellung und Wirkung der einzelnen Präparate

Spritzpräparate
Zu den Spritzpräparaten gehören der Hornmist für den unterirdischen Teil der Pflanze und zur Bodenaktivierung, der Hornkiesel, der sich an den oberirdischen Teil der Pflanze richtet, und das Fladenpräparat für den Boden.

Für das Hornmistpräparat wird Kuhmist in das Horn einer weiblichen Kuh gefüllt, die schon einmal gekalbt hat. Das Horn wird vergraben und das Präparat reift im Boden. Nach der Reife wird es in Wasser dynamisiert und mit einer speziellen Spritze auf die Flächen ausgebracht.
Das Hornmistpräparat fördert das Wurzelwachstum, unterstützt die Wasser- und Nährstoffaufnahme, regt die Bodenaktivität und das Eigenleben des Bodens an, unterstützt die Lockerung des Bodens und fördert die Stickstoff-Bindung der Knöllchenbakterien.

Das Hornkieselpräparat entsteht aus fein vermahlenem Quarz, der ebenfalls in ein Kuhhorn gefüllt wird und im Boden reift. Nach der Dynamisierung in Wasser wird es auf die Pflanzen ausgebracht.
Der Hornkiesel fördert und ordnet den Stoffwechsel der Pflanze, unterstützt ihre Widerstandskraft gegenüber Schädlingen und kräftigt Wachstum und Spannkraft. Er sorgt für eine gleichmäßige Reifung, verbessert das Aroma der Pflanze und verbessert ihre Haltbarkeit.

Das Fladenpräparat wurde Anfang der 1960er von Maria Thun entwickelt und in die Demeter-Richtlinien aufgenommen, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen und Verunreinigungen im Boden entgegenzuwirken. Es wird besonders für Gartenbaubetriebe oder vieharme Betriebe empfohlen.

Es besteht aus Kuhmist, dem die Kompostpräparate, zerriebene Eierschalen und Basalt-Sand zugemischt werden. Nach einer mehrmonatigen Vererdung entsteht das eigentliche Präparat mit humoser Konsistenz.
Das Fladenpräparat wird zusammen mit Mist / Kompost oder Gründünger ausgebracht, um die Verarbeitung des organischen Materials durch den Boden anzuregen und zu beschleunigen. Es dient als Erholungskur für den Boden, die ihn lebendig hält, reinigt und die natürliche Bodenfruchtbarkeit fördert.

Kompostpräparate
Zu den Kompostpräparaten gehören die Heilpflanzen Schafgarbe, Kamille, Brennnessel, Eichenrinde, Löwenzahn und Baldrian. Sie werden – bis auf den Baldrian – in Tierhüllen gefüllt, direkt für ein halbes Jahr vergraben oder vor dem Vergraben eine Zeit der Sonne ausgesetzt.

Die Kompostpräparate werden in kleinsten Mengen in den Mist / Kompost eingebracht und entfalten ihre Wirkung auf die gesamte Miete. Sie regen die Umsetzungsvorgänge an und bringen die wichtigsten Pflanzennährstoffe in eine organische Ordnung. Die gleiche Wirkung erzielen sie, wenn sie über das Fladenpräparat zeitgleich mit organischem Dünger in den Boden eingearbeitet werden.

Das Schafgarbenpräparat reift in einer getrockneten Hirschblase über die Sommermonate zunächst in der Sonne und wird im Herbst bis zum nächsten Frühjahr im Boden vergraben.
Es reguliert den Kalium-Stoffwechsel in der Pflanze, ordnet Stickstoff-, Kohlenstoff-, Schwefel- und Kaliumprozesse und fördert die Anpassungsfähigkeit der Pflanzen an den Standort.

Kamillenblüten im Rinderdarm werden zum Kamillenpräparat, das die Calcium-Prozesse fördert und die Beständigkeit von Stickstoff im Dünger stärkt.

Für das Brennnesselpräparat wird die Pflanze in der Erde vergraben und vermittelt Boden und Pflanzen später die Beschaffenheit von Kompost. Es reguliert den Eisenhaushalt und Stickstoffprozesse im Boden, ordnet und vernünftigt.

Das Eichenrindepräparat reift in einem Rinderschädel und fördert die Calcium-Prozesse. Es hemmt pilzliche Erreger und wirkt durch Gerbsäure insektizid. Das Eichenrindepräparat lenkt die formgebenden Kräfte in der Pflanze genau dahin, wo sich Pflanzenkrankheiten entwickeln würden.

Löwenzahnblüten reifen für das Löwenzahnpräparat in einem Rindergekröse. Das Präparat fördert die Kalium- und Kieselsäure-Prozesse, sensibilisiert die Pflanzen für ihre Umgebung und stärkt ihre Fähigkeit, Nährstoffe anzuziehen.

Das Baldrianpräparat benötigt als einziges Präparat keine Hülle. Der aus den Blüten gewonnene und anschließend vergorene Saft fördert die Phosphorprozesse und reguliert Wärmeprozesse im Boden, im Dünger und in der Pflanze.

Präparatepraxis auf dem Biohof Bursch

Präparate-Treffen sind immer ein besonderes Erlebnis

Zweimal jährlich fährt eine Gruppe von Mitarbeitern zum Präparate-Treffen auf den Hof von Trude Karrenberg nach Kamp-Lintfort. Dort werden gemeinschaftlich – je nach Jahreszeit – die Kuhhörner präpariert und ein- oder wieder ausgegraben. Gemeinsam werden auch das Fladenpräparat und die Kompostpräparate vorbereitet.

Da wir selbst keine Rinder halten, können wir uns bei Trude Karrenberg mit unseren benötigten Präparaten für das ganze Jahr eindecken. Während der Treffen, zu denen auch andere Demeter-Landwirte aus der Umgebung zugegen sind, werden Erfahrungen ausgetauscht, Fragen beantwortet und es wird sich fröhlich über den Hof-Alltag unterhalten. Das Miteinander bei der Präparate- Zubereitung ist jedes Mal wieder ein besonderes Erlebnis.
Daher fahren immer auch neue Bursch-Mitarbeiter mit – um zu lernen und um diese wunderbare Stimmung zu erleben.

Dynamisieren und Ausbringen der Präparate

Der Jahreskreislauf beginnt im Frühjahr mit dem Hornmistpräparat. Es wird zusammen mit dem Fladenpräparat auf alle Flächen ausgebracht. Die vorbereitende Dynamisierung der beiden Präparate erfolgt getrennt. In unserem 200l-Präparate-Fass wird der Hornmist eine Stunde im Wasser dynamisiert – im Fass wird wechselweise links- und rechtsherum gerührt, bis jeweils ein Strudel entsteht, der fast bis zum Boden reicht. Das Wasser nimmt dabei die Information des Präparats auf.

Das Fladenpräparat wird nur eine halbe Stunde und in einem separaten Gefäß gerührt. Im Anschluss wird der Inhalt beider Rühr-Gefäße feinst gesiebt. Nur das Wasser wird schlussendlich mit der speziellen Demeter-Spritze ausgebracht, die wir gemeinsam mit zwei Demeter-Obsthöfen aus Meckenheim nutzen.

Unser Präparate-Fass steht mitten im Betrieb und ist an den Präparate-Tagen der Ort, wo man sich trifft, ein paar Worte wechselt, beim Rühren hilft und eben „mitmacht“ und Teil des Ganzen ist.

Das Hornkieselpräparat wird gerührt und dynamisiert wie der Hornmist. Die Ausbringung erfolgt später im Jahr, denn es wird auf die Pflanzen gesprüht. Je nach Größe der zu besprühenden Fläche wird es mit der Feldspritze, in den Gewächshäusern und Folientunneln aber auch mit der Rückenspritze oder einem Handfeger ausgebracht.

Die Kompostpräparate, für die Impfung unserer Mist-Miete im Mai, formen wir zusammen mit Komposterde zu kleinen Kugeln. Sie werden in einer bestimmten, vorgegebenen Anordnung in tiefe Löcher gegeben, die wir in das Mistbeet bohren. Zum Schluss wird die Miete mit dynamisiertem Baldrian-Wasser befeuchtet und mit einem Natur-Vlies abgedeckt. Nun ruht die Miete fünf bis sechs Monate, bevor der präparierte Mist zu Beginn des Winters auf die Ackerflächen ausgefahren wird.

Schon mal in unserem Hofladen eingekauft?

Dort haben wir neben unserem selbst angebauten Gemüse und Obst nämlich ein ganzes Sortiment an Naturkostwaren. Also alles, was das Herz an biologisch erzeugten Lebensmittel begehrt! Schau’n Sie doch mal rein!

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